5.1. Die Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen

Hans Hickmann (1908–1968) war der Begründer der altägyptischen Musikarchäologie und schrieb zahlreiche, heute noch grundlegende Artikel und Bücher zu diesem Thema. Die von ihm angelegte Privatsammlung befindet sich heute in der Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen (Abb. 5.1.1.), die insgesamt 145 altägyptische Objekte (Originale und Replikate) beherbergt.

Abb. 5.1.1.

Das sog. „Accouchierhaus“ in der Kurzen Geismarstr. 1 in Göttingen. Heute ist hier die Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität untergebracht.

1934 wurde Hickmann promoviert und siedelte mit seiner Lebensgefährtin Brigitte Schiffer, die jüdischer Herkunft gewesen ist, nach Ägypten über. Die Aktivitäten Hickmanns in Ägypten sind vielfältig. Er arbeitete nicht nur als Organist und für verschiedene Rundfunksender, sondern unterrichtete an verschiedenen Schulen und baute ein Konservatorium auf. Ende der 1930er Jahre beschäftigte sich Hickmann zunehmend mit Musikethnologie und -archäologie. Die politischen Entwicklungen durch die Nationalsozialisten in Deutschland nahmen auch Einfluss auf das Leben Hickmanns in Ägypten. Nach Ende des Nationalsozialismus im Mai 1945 reiste Hickmann 1949 erstmals wieder nach Deutschland. Obwohl er 1957 zum Leiter des Deutschen Kulturinstituts in Kairo berufen wurde, entschloss er sich dauerhaft nach Deutschland zurückzukehren. Hier ist er zu einem renommierten Experten für altägyptische und koptische Musik avanciert.

1968 starb Hans Hickmann. Seine wertvolle Sammlung altägyptischer und koptischer Musikinstrumente und musizierender Figurinen, die er im Laufe seines 21-jährigen Ägyptenaufenthaltes und auf seinen dortigen Forschungsreisen zusammengetragen hatte, war bereits 1956 größtenteils in die Sammlung des Cellenser Musikverlegers und Instrumentenfabrikanten Hermann Johannes Moeck übergegangen und gelangte 1964 als deren Bestandteil nach Göttingen. Interessanterweise hatte Moeck im gleichen Jahr mehrere Instrumente aus dem Nachlass des Händelforschers Friedrich Chrysander (1826–1901) erworben. Einige altägyptische Stücke, die Hickmann 1956 zurückbehalten hatte, wurden nach dem Tod seiner dritten Ehefrau, der Musikethnologin und -archäologin Ellen Hickmann, 2018 ebenfalls nach Göttingen übergeben.
Seit 1992 ist Dr. Klaus-Peter Brenner Kustos der Sammlung.

Unter den 145 altägyptischen Objekten beherbergt die Göttinger Sammlung eine kleine Flachbogenharfe (Abb. 5.4.11.), bei der es sich nach derzeitigem Kenntnisstand um das älteste aller erhaltenen Exemplare der altägyptischen Bogenharfe handelt.

5.2. Welche Rolle spielte Musik im Alten Ägypten?

Musik hatte im pharaonischen Ägypten einen hohen Stellenwert, sei es im privaten Bereich, bei Banketten oder im religiösen Kontext. Bereits zur Zeit der Pyramiden (um 2600 v. Chr.) wurden in monumentalen Grabanlagen Harfen und Flöten spielende Musiker und Musikerinnen neben klatschenden und singenden Personen abgebildet. In dieser frühen Zeit überwiegt die Zahl der männlichen die der weiblichen Musizierenden bei weitem. Hofmusiker sind ebenfalls bekannt: Chufuanch (Grab G 4520) war nicht nur selbst Sänger, er war auch Vorsteher der Flötenspieler und der königlichen Sänger. Ihm wurde eine Grabanlage in der direkten Umgebung der Pyramiden von Giseh errichtet. In dieser Nekropole sind zudem einige Darstellungen von Musikensembles in den Gräbern der hohen Beamten zu finden, so in den Anlagen von Seschemnefer (Grab G 5080), Jj-mery (Grab G 6020), Kai-sedjau (Grab G 5340), Senedjemib Inti (Grab G 2370), Kaiemanch (Abb. 5.2.1., Grab G 4561), Rawer (Grab G 5470), Idu (Grab G 7102), Nefer-mesdjer-Chufu (Grab G 2240), des Senedjemib Mehi (Grab G 2378), Redi (Grab G 2086) und Nimaatre (Grab G 2097).

Abb. 5.2.1.

Bei diesem Relief handelt es sich um einen Teil der Westwand der Opferkammer im Grabkomplex des Kaiemanch in Giseh (G 4561, ca. 2613–1494 v.Chr.). In einem Unterregister ist neben einer Darstellung des Grabbesitzers eine Gruppe Musizierender dargestellt.

FAQ

Zahlreiche Musikinstrumente wie Rasseln, Klappern, Sistren, Menat, Harfen, Lauten, Flöten, Doppelklarinetten, Doppeloboen, Trommeln, etc. sind für die Kultur des Alten Ägypten belegt. Bekannt sind die Instrumente zum einem durch Darstellungen an den Wänden von Grabanlagen und Tempeln, zum anderen sind sie archäologisch überliefert. Die Darstellungen zeigen die Instrumente meistens während des Musizierens.

Einfache Musikinstrumente, die mit wenig Aufwand gefertigt werden konnten, waren Flöten, Pfeifen oder Rasseln, die aus Knochen, Muscheln, Holz und anderen Naturmaterialien gefertigt wurden.

Abb. 5.3.1.
Umzeichnung des Flötenspielers auf der „Zwei Hunde Palette“ aus Hierakonpolis, ca. 3300–3100 v.Chr., Ashmolean Museum, Oxford.

Bereits für das 5. Jt. v.Chr. sind Rasseln überliefert, die aus aus Ton gefertigt waren. Im 4. Jt. v.Chr. kommen Klappern und Flöten hinzu (Abb. 5.3.1.). Harfen und Trommeln treten um 2600 v.Chr. erstmalig auf. In diese Zeit sind auch die ersten Darstellungen von Musikensembles zu datieren. Diese Musiker und Musikerinnen sind in der Regel beim Musizieren vor dem Grabbesitzer dargestellt.

Musikinstrumente sind als Grabbeigaben sowie in Relief und Malerei an Tempel- und Grabwänden belegt.

In Gräbern der Hofleute und der hohen Beamten wurden verschiedene Musikinstrumente und -szenen an den Wänden dargestellt (Abb. 5.3.2.). Die Szenen sind religiös konnotiert, indem das Jenseits (der Verstorbene) mit dem Diesseits (die lebendigen Musiker) verbunden wird. 

Die königlichen Grabanlagen wurden üblicherweise nicht mit Musikdarstellungen dekoriert, allein im Grab Ramses III. (ca. 1184–1153 v.Chr.) befinden sich zwei Darstellungen von Harfenspielern.

Ferner kamen Musikinstrumente wie die sogenannte Tänzerinnenlaute in Gräbern zutage (Abb. 5.3.3.). Aus dem königlichen  Grab des Tutanchamun sind zwei Trompeten erhalten. 

Abb. 5.3.2.
Musikerinnen aus dem Grab des Nacht (TT 52) in der Thebanischen Nekropole aus dem Neuen Reich (ca. 1550–1069 v.Chr.).

Abb. 5.3.3.
Heidi Köpp-Junk spielt auf dem Nachbau einer altägyptischen Laute.

Die soziale Stellung der Musiker*innen war sehr unterschiedlich. Der Status von Musikern und Musikerinnen kann zum einen über die Titel erschlossen werden, zum anderen darüber, ob sie über ein eigenes Grab verfügten oder lediglich in den Grabanlagen anderer, auf Stelen und auf Opfertafeln genannt wurden.

Anfänge einer Hierarchie unter Musiker*innen sind bereits um 2800 v.Chr. belegt. Es gab jeweils eigene Hierarchien für männliche und für weibliche Musiker. Insgesamt sind nur wenige Namen von Musikern und Musikerinnen überliefert.

Notationen sind aus pharaonischer Zeit nicht nachweisbar, während in Mesopotamien bereits seit dem 2. Jt. v.Chr. eine ausgefeilte Musiktheorie belegt ist. Erst in römischer Zeit sind Ansätze von schriftlicher Notation in Ägypten zu beobachten. Zuvor wurden die Melodien akustisch vom Lehrer zum Schüler weitergegeben. Mitunter sind Liedtexte aufgrund ihrer Bezeichnung mit einem Wort, das als „Lied“ übersetzt werden kann, als solche identifiziert worden. Als Hilfestellung zur Rezitation sind Verspunkte in den Texten aus dem Mittleren Reich (ca. 2055–1650 v.Chr.) nachgewiesen. In ptolemäischer Zeit (332–30 v.Chr.) sind im Tempel von Edfu in einem Text Regieanweisungen für den Einsatz der runden Rahmentrommel belegt. Auf einem Papyrus aus römischer Zeit (30 v.Chr.–395 n.Chr.) sind graphische Zeichen erkennbar, die als Einsatz für eben dieses Instrument interpretiert werden.

In „Giulio Cesare“ sind Musikinstrumente zum Einsatz gekommen, die tatsächlich aus dem Alten Ägypten bekannt sind: Oboe und Harfe. Gambe und Theorbe dagegen sowie überhaupt das Arrangement der barocken Musikinstrumente haben nicht der Klangwelt der Ptolemäer entsprochen. Händel und seine Zeitgenossen konnten dies allerdings noch gar nicht wissen, daher ist es schon erstaunlich, dass immerhin zwei Instrumente zutreffend für eine klangliche Situierung der Handlung in Ägypten ausgewählt worden waren. 

„Tochter des Vogelfängers“
Ein altägyptischer Liedtext aus dem Papyrus Harris 500 recto, 4,1–6,2 (Gesang, Laute: H. Köpp-Junk)

„Fahrt nach Memphis“
Ein altägyptischer Liedtext aus dem Papyrus Harris 500 recto 1,1–4,1
(Gesang, Laute: H. Köpp-Junk)

Der Papyrus Harris 500 wurde im Neuen Reich, während der 19. Dynastie (ca. 1295–1186 v.Chr.), beschrieben. Den modernen Namen erhielt der Textträger nach seinem vormaligen Besitzer Anthony Harris (1790–1868 n.Chr.), doch er wird heute im British Museum, London, aufbewahrt.

Der Papyrus enthält mehrere literarische Texte. Auf der Vorderseite (recto) befinden sich Liebeslieder, darunter das „Harfnerlied des Antef“ oder die „Reise nach Memphis“. Auf der Rückseite (verso) befinden sich Erzählungen.

2 Sistren
(H. Köpp-Junk)

Hier gibt Heidi Köpp-Junk eine Kostprobe davon, wie sich altägyptische Sistren angehört haben.

5.4. Die Göttinger altägyptischen Musikinstrumente:

Anhand der von Hans Hickmann gesammelten und heute in Göttingen aufbewahrten Objekte kann ein breites Spektrum an Musikinstrumenten im Alten Ägypten nachgewiesen werden. 

Aufgrund der weiterhin bestehenden pandemiebedingten Einschränkungen war es bislang leider nicht möglich, die für diese virtuelle Ausstellung vorgesehenen fotografischen Aufnahmen der Stücke der Musikinstrumentensammlung anzufertigen. Sie werden an die Stellen der Platzhalter eingefügt, sobald dies wieder möglich sein wird.

Aerophone

Zu den Aerophonen zählen Flöten (Langflöte, Kurzflöte), Trompeten und Rohrblattinstrumente (Doppelklarinette, Doppeloboe). Die früheste Flöte ist ungefähr um 3100 v.Chr. belegt. Es ist kein Mundstück aus dem pharaonischen Ägypten erhalten, aber einige der Blasinstrumente aus pharaonischer Zeit ähneln modernen Volksklarinetten bzw. -oboen. Erst aus der 18. Dynastie (ca. 1550–1295 v.Chr.) sind Darstellungen von Trompetenspielern erhalten, ferner fanden sich im Grab des Tutanchamun (ca. 1336–1327 v.Chr.) zwei Trompeten, die heute im ägyptischen Museum Kairo aufbewahrt werden. 1939 hat ein britischer Militärmusiker die beiden Instrumente gespielt. Die BBC hat das Trompetenspiel aufgenommen, so dass es auch heute noch angehört werden kann (https://www.bbc.co.uk/programmes/b010dp0s). Trompeten wurden im religiösen und militärischen Kontext eingesetzt.

Bei der Göttinger Trompete (Abb. 5.4.3.) handelt sich um eine originalgetreue Nachbildung der im Grab des Tutanchamun gefundenen Trompeten. Die Nachbildung ist aus Messing, während die Originaltrompeten aus Silber und Bronze gefertigt sind. Der Trompetennachbau wurde zwischen 1933 und 1957 von Hans Hickmann in Ägypten in Auftrag gegeben. 

Abb. 5.4.1.

Panflötenspieler, Terracotta, griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.).

Abb. 5.4.2.

Figürliche Darstellung eines Panflötenspielers, Terracotta, griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.).

Abb. 5.4.3.

Kopie der Trompeten des Tutanchamun (ca. 1336–1327 v.Chr.).

Abb. 5.4.4.

Figürliche Darstellung (Fragment) eines gedoppelten Blasinstrumentes aus hellgrauer Fayence,  Neues Reich (ca. 1550–1069 v.Chr.) oder Spätzeit (664–332 v.Chr.).

Abb. 5.4.5.

Figürliche Darstellung (Fragment) eines gedoppelten Blasinstrumentes aus hellgrüner Fayence, Neues Reich (ca. 1550–1069 v.Chr.) oder Spätzeit (664–332 v.Chr.).

Abb. 5.4.6.

Figürliche Darstellung (Fragment) Spielerin eines getrennt gedoppelten Blasinstrumentes, griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.).

Chordophone

Zu den Chordophonen zählen Harfen (Winkelharfe, Bogenharfe), Leiern, Lauten.

Harfen sind bereits seit der 4. Dynastie (ca. 2613–2494 v.Chr.) belegt und sowohl als Bogen- als auch als Winkelharfe überliefert. Die Winkelharfen sind erstmalig im Neuen Reich (ca. 1550–1069 v.Chr.) dokumentiert. Leiern sind seit dem Mittleren Reich (ca. 2055–1650 v.Chr.) in Ägypten vertreten. Der Klangkörper der Lauten konnte rundlich-kurz oder länglich sein. Die Anzahl der Klanglöcher ist bei beiden Varianten identisch und beide sind mit einem Langhals versehen.

Abb. 5.4.7.

Kopie einer altägyptischen Kastenleier. Die Jocharme sind mit Pferdeköpfen verziert. Erbaut wurde diese Nachbildung von der Instrumentenbaufirma Moeck, Celle, im Jahr 1957, im Auftrag von Hans Hickmann. Das Original wird in die 18. Dynastie (ca. 1550–1295 v.Chr.) datiert und im Ägyptischen Museum, Berlin, unter der Inv. Nr. 10247 geführt, befindet sich zur Zeit allerdings als Dauerleihgabe im Roemer- und Pelizaeus Museum Hildesheim. 

Abb. 5.4.8.

Kopie einer altägyptischen Kastenleier. Das Original befindet sich im Ägyptischen Museum Berlin und wird dort unter der Inv. Nr. 69417 geführt. Entdeckt wurde das Original in Deir el-Medine und wird in die 18. Dynastie (ca. 1550–1295 v.Chr.) datiert. 

Abb. 5.4.9.

Figürliche Darstellung eines Jünglings mit Leier, Terracotta, griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.).

Abb.5.4.10.

Figürliche Darstellung eines grotesken Leierspielers, Terracotta, griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.).

Abb.5.4.11.

Kleine Flachbogenharfe, Holz, vermutlich aus dem Alten Reich (ca. 2686–2160 v.Chr.). Das Objekt wurde in den 1940er Jahren restauriert.

Abb.5.4.12.

Kopie einer Bogenharfe (mit Membrandecke), aus Holz und Tierhaut, im Auftrag von Hans Hickmann hergestellt.

Abb.5.4.13.

Kopie einer Bogenharfe (ohne Membrandecke), aus Holz, im Auftrag von Hans Hickmann in der Instrumetenfabrik Moeck hergestellt. In den Auftragsbüchern ist vermerkt, dass dieses Instrument hergestellt wurde, um experimentell festzustellen, ob das Anfügen einer Decke den Klang ändert.

Abb.5.4.14.

Kopie einer großen Flachbogenharfe, Holz und Tierhaut, im Auftrag von Hans Hickmann hergestellt. Als Vorbild für diese Rekonstruktion dient eine altägyptische Grabdarstellung.

Abb.5.4.15.

Koptische Laute, Fundort wohl Achmin, 3.–9. Jh. n.Chr. Bei dieser Laute handelt es sich um eine der sieben weltweit bekannten Langhalslauten. Das Göttinger Exemplar ist aus einem Stück Holz geschnitzt, inklusive der unterständigen Saitenbefestigungszapfen. Die Laute ist nur 41,6cm lang und damit die kleinste der bekannten koptischen Lauten.

Abb.5.4.16.

Nachbau der koptischen Laute aus Achmim.

Abb.5.4.17.

Figürliche Darstellung (Fragment) eines Winkelharfenspielers aus Terracotta, griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.).

Abb.5.4.18.

Figürliche Darstellung (Fragment) einer Winkelharfenspielerin aus Terracotta, griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.).

Abb.5.4.19.

Figürliche Darstellung (Fragment) eines phallischen Spielers einer Winkelharfe oder einer rechteckigen Rahmentrommel, Terracotta, griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.).

Abb. 5.4.20.

Figürliche Darstellung (Fragment) Winkelharfenspieler, Terracotta, Fundort wohl Tura bei Heluan (Kairo), griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.).

Abb. 5.4.21.

Figürliche Darstellung Winkelharfenspielerin, Terracotta, griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.).

Abb. 5.4.22.

Figürliche Darstellung eines Winkelharfenspielers, Terracotta, griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.).

Membranophone

Zu den Membranophonen zählen Fasstrommel, runde und eckige Rahmentrommel und Röhrentrommel. Trommeln sind seit ca. 2600 v. Chr. belegt. Aus den Darstellungen geht hervor, dass die Trommeln nicht mit Trommelstöcken gespielt wurden, sondern mit den Händen.

Abb.5.4.23.

Figürliche Darstellung des Gottes Bes mit zweifelliger Fasstrommel, Terracotta, 1. Jt. v.Chr.

Abb.5.4.24.

Figürliche Darstellung eines phallischen Spielers einer runden Rahmentrommel, Terracotta, Spätzeit (664–332 v.Chr.).

Abb. 5.4.25.

Figürliche Darstellung einer Spielerin einer runden Rahmentrommel, Terracotta.

Abb. 5.4.26.

Figürliche Darstellung einer Spielerin einer runden Rahmentrommel, Terracotta.

Abb. 5.4.27.

Figürliche Darstellung (Fragment) einer Spielerin einer zweifelligen  Fasstrommel, Terracotta, nachchristlich.

Abb. 5.4.28.

Figürliche Darstellung einer Spielerin einer runden Rahmentrommel, Terrakotta, 1./2. Jh. n.Chr.

Abb. 5.4.29

Figürliche Darstellung (Fragment) eines Spielers einer quadratischen Rahmentrommel, Terrakotta, griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.).

Idiophone

Dieser Gattung sind Sistren, Menat, Glöckchen, Zimbeln, Rasseln und Klappern zuzuordnen.

Rasseln und Klappern sind die ältesten in Ägypten nachgewiesenen Musikinstrumente. Rasseln sind seit dem 5. Jt. v.Chr. belegt, Klappern erscheinen als Abbildungen auf Tongefäßen im 4. Jt. v.Chr. Eine Klapper mit dem Namen der Königin Meretneith datiert in die 1. Dynastie (ca. 3000–2890 v.Chr.). Sistren sind seit 2300 v.Chr. vertreten und zeigen im Dekor häufig die Göttin Hathor, Glöckchen treten seit ca. 1000 v.Chr. auf. Zimbeln sind insbesondere in griechisch-römischer Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.) häufig dokumentiert.

Abb. 5.4.30.

Gleitrassel, Bogensistrum (Fragment – Griff und 3 Rasselelemente fehlen), blaue Fayence, Hathor und Schlange, Spätzeit (664–332 v.Chr.).

Abb. 5.4.31.

Gleitrassel, Naossistrum (Fragment: Rasselstäbe fehlen), Fayence, Hathor, Uräusschlangen. Inschrift: „der schöne gute Gott, Sohn des Re, der Herr der beiden Länder, Wah-ib-Re“, Spätzeit, 26. Dynastie (664–525 v.Chr.).

Abb. 5.4.32.

Gleitrassel, Bogensistrum, Bronze; mit Darstellungen von Bastet, Hathor, Isis, Osiris, Besit, Lotosblüte, Sphingen; Spätzeit (664–332 v.Chr.).

Abb. 5.4.33.

Gleitrassel, Bogensistrum, Bronze, Katze mit Jungen, Ende der Rasselstäbe als Enten, Spätzeit (664–332 v.Chr.) oder griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.).

Abb. 5.4.34.

Gleitrassel, Bogensitrum, Bronze, nur Handgriff, ptolemäische Zeit (332–30 v.Chr.).

Abb. 5.4.35.

Gleitrassel, Bogensistrum, Mittelteil, Neues Reich, Hathor, Kobras mit Kronen Ober- und Unterägypten.

Abb. 5.4.36.

Gleitrassel, Bogensistrum, Fragment: Oberes Bogenstück, Bronze, Bastet, Neues Reich (ca. 1550–1069 v.Chr.).

Abb. 5.4.37.

Kopie des vergoldeten Bogensistrums aus dem Grab des Tutanchamun (Neues Reich, 18. Dynastie, ca. 1336–1327 v.Chr.), im Auftrag von Hans Hickmann hergestellt, vermutlich wurde noch ein zweites Sistrum gefertigt, da ein Foto existiert, das zwei Sistren zeigt – Rückseite Stempel eines Fotostudios in Kairo.

Abb. 5.4.38.

Rollschelle, Tonkörper, Spätzeit (664–332 v.Chr.) oder ptolemäisch (332–30 v.Chr.).

Abb. 5.4.39.

Rollschelle, Bronzekörper, Rollerkugel, Spätzeit (664–332 v.Chr.) oder ptolemäisch (332–30 v.Chr.).

Abb. 5.4.40.

Hängeglöckchen, helltürkisfarbener Ton, Dekor Bes Gesicht, ptolemäische Zeit (332–30 v.Chr.).

Abb. 5.4.41.

Hängeglöckchen, blaue Fayence, ptolemäisch (332–30 v.Chr.).

Abb. 5.4.42.

Hängeglöckchen, Bronze, Anubis/Schakal, Bes, Amun/Widder, Horus/Falke, ptolemäische Zeit (332–30 v.Chr.). 

Abb. 5.4.43.

Hängeglöckchen; Bronze, (Leg. 16.4% Zinn, 1,2%; Blei, 82,4% Kupfer), Apisstier und zweites Wesen, ptolemäische Zeit (332–30 v.Chr.).

Abb. 5.4.44.

Hängeglöckchen, Bronze, mythologische  Darstellungen, darunter Bes, ptolemäisch (332–30 v.Chr.).

Abb. 5.4.45.

Gefäßrassel, Fragment, Meeresschneckenschale, vermutl. Tanzgürtel, ehemals mit Rasselfüllung, Spätzeit (664–332 v.Chr.).

Abb. 5.4.46.

Figürliche Darstellung einer Gottheit mit Glöckchen, Terracotta, griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.).

Abb. 5.4.47.

Figürliche Darstellung eines Pavians mit Rasselhalsband, Terracotta.

Abb. 5.4.48.

Figürliche Darstellung, Fragment eines Votivsistrums, Gleitrassel, Terracotta, griechisch-römische Zeit (332 v.Chr.–395 n.Chr.). 

Abb. 5.4.49.

Lotosblütenförmige Gegenschlagplatten, Nilpferdzahn, um 2000 v.Chr.

Abb. 5.4.50.

Handförmige Gegenschlagplatte, Nilpferdzahn, 1. Jt. v.Chr.

Abb. 5.4.51.

Handförmige Gegenschlagplatte, Nilpferdzahn, ab 3300 v.Chr.

Abb. 5.4.52.

Paar Kleinbecken, Bronze, nach 750 v.Chr., wohl aus Grabfund bei Luxor.

Abb. 5.4.53.

Paar Kleinbecken, Bronze, ptolemäisch (332–30 v.Chr.).

Abb. 5.4.54.

Figürliche Darstellung zweier Sistrenspieler, Amulett, Fayence.

Abb. 5.4.55.

Figürliche Darstellung eines Sistrumspielers, Bronze, Spätzeit (664–332 v.Chr.).

Literatur

  • Brenner, K.-P., Staehelin, M., Die Musikinstrumentensammlung des Musikwissenschaftlichen Seminars der Georg-August-Universität Göttingen – Bestand, Geschichte, Bedeutung, Göttingen 2001 (pdf)
  • Brenner, K.-P., Musikinstrumentensammlung des Musikwissenschaftlichen Seminars der Georg-August-Universität Göttingen. Bestandskatalog, Göttingen 2020 (pdf)
  • Emerit, S., Music and Musicians. In: Wendrich, W., UCLA Encyclopedia of Egyptology, Los Angeles 2016 (pdf)
  • Hickmann, H., Ägypten, Musik im Altertum II, Leipzig 1961.
  • Jaggi, R., “Jauchzen herrscht im Himmel und auf Erden” – Altägyptische Musik im Überblick. In: Kemet 3 (2014), 28–33
  • Köpp-Junk, H., The Artist Behind the Ancient Egyptian Love Songs: Performance and Technique. In: Landgráfová, R., Navrátilová, H. (Hrsg.), Sex and the Golden Goddess II: The World of the Ancient Egyptian Love Songs, Prag 2015, 35–60
  • Köpp-Junk, H., Musik im Alten Ägypten. In: Sokar 33 (2016), 26–33
  • Köpp-Junk, H., Sound of Silence? Neueste Ergebnisse aus der Musikarchäologie. In: Blöbaum, A. I., Eaton-Krauss, M., Wüthrich, A. (Hgg.), Pérégrinations avec Erhart Graefe, Festschrift zu seinem 75. Geburtstag, ÄAT 87, Münster 2018, 267–283
  • Köpp-Junk, H., Textual, iconographical and archaeological evidence for the performance of ancient Egypt Music. In: Ventura, A. G., Tavolieri, C., Verderame, L. (Hgg.), The Musical Performance in Antiquity: Archaeology and Written Sources, Newcastle upon Tyne 2018, 93–120
  • Köpp-Junk, H., The Earliest Music in Ancient Egypt. In: ASOR (American School of Oriental Research) VI. 1, Jan. 2018, (pdf)
  • Köpp-Junk, H., Musik im Alten Ägypten, Darmstadt 2022
  • Manniche, L., Music and Musicians in Ancient Egypt, London 1991
  • Manniche, L., Ancient Egyptian Musical Instruments, München 1975
  • Pasdzierny, M., Hans Hickmann. In: Maurer Zenck, C., Petersen, P., Fetthauer, S. (Hgg.), Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit, Hamburg 2016 (pdf)
  • Shaw, I., The Oxford history of Ancient Egypt, Oxford 2000

Abbildungsnachweise

    • Abb. 5.1.1. Foto: Martin Liebetruth
    • Abb. 5.2.1. Digital Giza Project, Harvard University, Foto: Kunsthistorisches Museum, Wien (Quelle)
    • Abb. 5.3.1. Ashmolean Museum, Oxford, Inv.Nr. E 3924, © Umzeichnung Heidi Köpp-Junk
    • Abb. 5.3.2. Universitätsbibliothek Heidelberg, Davies, N. de Garis, The tomb of Nakht at Thebes, New York 1917, Frontispiz, CC-BY-SA 4.0 (Quelle)
    • Abb. 5.3.3. Heidi Köpp-Junk spielt auf dem Nachbau einer altägyptischen Laute, gemeinfrei (Quelle)
    • Abb. 5.4.1. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 825
    • Abb. 5.4.2. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv. Nr. 812
    • Abb. 5.4.3. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 804
    • Abb. 5.4.4. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 809
    • Abb. 5.4.5. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 810
    • Abb. 5.4.6. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 829
    • Abb. 5.4.7. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 700
    • Abb. 5.4.8. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 701
    • Abb. 5.4.9. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 820
    • Abb. 5.4.10. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 821
    • Abb. 5.4.11. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 796
    • Abb.5.4.12. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 798
    • Abb.5.4.13. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 796
    • Abb.5.4.14. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 832
    • Abb.5.4.15. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 817
    • Abb.5.4.16. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 1559
    • Abb.5.4.17. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 800
    • Abb.5.4.18. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 801
    • Abb.5.4.19. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 802
    • Abb. 5.4.20. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 803
    • Abb. 5.4.21. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 822
    • Abb. 5.4.22. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 823
    • Abb.5.4.23. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 790
    • Abb.5.4.24. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 791
    • Abb. 5.4.25. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 792
    • Abb. 5.4.26. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 793
    • Abb. 5.4.27. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 827
    • Abb. 5.4.28. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 828
    • Abb. 5.4.29. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 830
    • Abb. 5.4.30. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 785
    • Abb. 5.4.31. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 778
    • Abb. 5.4.32. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 779
    • Abb. 5.4.33. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 781
    • Abb. 5.4.34. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 782
    • Abb. 5.4.35. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. XXX
    • Abb. 5.4.36. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. XXX
    • Abb. 5.4.37. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 780
    • Abb. 5.4.38. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 774
    • Abb. 5.4.39. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 772
    • Abb. 5.4.40. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 745
    • Abb. 5.4.41. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 744
    • Abb. 5.4.42.  Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 722
    • Abb. 5.4.43. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 723
    • Abb. 5.4.44. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 735
    • Abb. 5.4.45. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 777
    • Abb. 5.4.46. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 748
    • Abb. 5.4.47. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 775
    • Abb. 5.4.48. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 786
    • Abb. 5.4.49. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 703a+b
    • Abb. 5.4.50. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 702
    • Abb. 5.4.51. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 704
    • Abb. 5.4.52. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 752a+b
    • Abb. 5.4.53. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr 768a+b
    • Abb. 5.4.54. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 787
    • Abb. 5.4.55. Musikinstrumentensammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inv.Nr. 788
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Abb. 2.7.

Katzenfiguren waren zu Händels Zeiten als Aufsätze auf Sistren bekannt. Von diesen Metallobjekten wusste bereits Montfaucon, dass es sich um altägyptische Musikinstrumente handelte. Im Text zu der Tafel schrieb er, dass ein Sistrum vor allem ein Symbol der Göttin Isis gewesen sei. Plutarch habe beschrieben, dass die aufgesetzten Katzenfiguren menschliche Gesichter hätten – doch Montfaucon kannte kein solches Exemplar.

In der Aufführung einer ptolemäischen Händel-Oper können Sistren nicht als Musikinstrumente eingesetzt werden, da diese nicht mit in die Kompositionen geschrieben wurden. Aber in der Ausstattung könnten Katzenfiguren wie das Göttinger Fayence-Objekt durchaus als Einlage zur Verzierung von Möbeln oder Instrumenten verwendet werden, um die Formensprache der Ptolemäer, wie sie zu Händels Zeiten bereits bekannt war, aufzugreifen.